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Zwangsarbeit in der IT-Produktion für Unis

5. Oktober 2015

Wien, 5.10.2015. Europäische Universitäten geben Milliarden für IT-Hardware aus, die von chinesischen Studierenden unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Die Produktionsbedingungen verstoßen gegen die Konvention gegen Zwangsarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), wie ein neuer Bericht der Südwind-Kampagne Clean-IT und des GoodElectronics-Netzwerkes belegt.

Der heute veröffentlichte Bericht „Die Serversklaven“ dokumentiert die systematische Ausbeutung chinesischer Studierender in der Produktion von IT-Ausstattung für Universitäten und Hochschulen in Westeuropa.

Tausende chinesischer Studierender arbeiten zehn bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, für bis zu fünf Monate unter Bedingungen, die den chinesischen Arbeitsrechtsstandards sowie den Richtlinien für Praktika in China widersprechen. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass die dort üblichen Zwangspraktika die Konvention gegen Zwangsarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verletzen.

„Wir sind alle deprimiert“

Xu Min ist 19 Jahre alt. Sie studiert Buchhaltung und ist eine von vielen Studierenden, die von ihrer Hochschule gezwungen wurden im Wistron Werk in Zhongshan, Südchina, zu arbeiten. Die Fabrik stellt Server für die drei IT-Riesen Hewlett Packard (HP), Dell und Lenovo her. Das sind die von europäischen Universitäten und Hochschuleinrichtungen am häufigsten verwendet Server-Marken.

„Wir stehen den ganzen Tag am Fließband und wiederholen die gleiche Aufgabe, wieder und wieder. Das hat überhaupt nichts mit meiner Ausbildung zu tun. Niemand von uns will hier sein. Wir sind alle deprimiert, aber wir haben keine Wahl, denn die Universität hat uns gesagt, dass wir unser Diplom nicht bekommen werden, wenn wir uns weigern. Die Arbeit ist sehr anstrengend“, sagt Xu Min.

Im Gegensatz dazu stehen die chinesischen Richtlinien für Praktika ebenso wie die firmeneigenen Richtlinien von Wistron, HP, Dell und Lenovo. Laut diesen müssen Praktika für die Ausbildung der Studierenden relevant sein, kritisiert der Report „Die Serversklaven“.

Zwangsarbeit

ExpertInnen beschreiben die Zwangspraktika in IT- und Elektronikunternehmen wie Wistron als Zwangsarbeit. Dazu gehört etwa Liu Kaiming, Experte für chinesisches Recht und Direktor des Institute of Contemporary Observation: „Wenn Studierende gezwungen werden, ein Praktikum bei elektronikunternehmen zu absolvieren, um ihren Abschluss machen zu können, ist das de facto Zwangsarbeit.“

Der Bericht „Die Serversklaven” vermerkt, dass Hochschuleinrichtungen in Westeuropa im laufenden Jahr bisher 4,27 Milliarden Euro für IT-Hardware, Software und Dienstleistungen ausgegeben haben um Millionen jungen EuropäerInnen eine gute Ausbildung zu bieten. Im Jahr 2014 gaben sie allein für Server 461,38 Millionen Euro aus. Mit einem Marktanteil von 28 Prozent ist HP der Marktführer. Dell kontrolliert 13 und Lenovo 11 Prozent des Marktes.

Nachdem sie mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontiert wurden, haben sowohl HP als auch Dell mehrere Verletzungen der Rechte von PraktikantInnen eingestanden und den Einsatz von PraktikantInnen in ihren Produktionslinien bei Wistron temporär ausgesetzt. HP kommentiert: „Der Einsatz von Studierenden wurde in den Produktionslinien von HP bei Wistron, Zhongshan eingestellt. Wir arbeiten mit der Betriebsleitung zusammen, um sicherzustellen, dass Studierende im entsprechenden Lernumfeld eingesetzt werden“.

Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Clean-IT-Kampagne bei Südwind, kommentiert: „Zwangspraktika sind ein weit verbreitetes Problem in der Elektronikproduktion. Sei es nun in China, den Philippinen oder Thailand. Wistron ist hier kein Einzelfall. Es ist daher höchste Zeit, dass nicht nur Dell und HP sondern alle Markenfirmen und Hersteller Schritte gegen Zwangsarbeit bei ihren Zulieferern unternehmen.“

Zum Weiterlesen

Bericht Die Serversklaven. Rechtsverletzungen und Zwangspraktika in der Lieferkette von IT-Hardware europäischer Universitäten

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