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Clean-IT fordert soziale Verantwortung für Krebsfälle bei Samsung

3. Februar 2015

98 Tote und mehr als 130 Schwerkranke: Diese traurige Bilanz ziehen die Clean-IT-Kampagne, Südwind und andere Nichtregierungs­organisationen (NGOs) anlässlich des Welt-Krebstages am 4. Februar und fordern, dass Samsung seine soziale Verantwortung den Betroffenen gegenüber wahrnimmt.

Wien, 3. Februar 2015 – Studien wie der „Winds of Change“ Bericht von Electronics Watch belegen, dass 232 ArbeiterInnen in koreanischen Fabriken von Samsung, dem weltgrößten Technologie­unternehmen, in den vergangenen sieben Jahren schwer erkrankten, meist an verschiedenen Formen von Krebs.

Samsung bietet nun in einem Mediationsprozess nach jahrelangen Gerichtsverfahren im Mutterland Südkorea zwar finanzielle Ent­schädigungen für eine kleine Minderheit von Betroffenen an, leugnet aber trotz gegenteiliger Gerichtsbeschlüsse vom August 2014 weiterhin jeglichen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und gesundheits­schädigenden Bedingungen am Arbeitsplatz. Die engen Kriterien, die Samsung für Entschädigungszahlungen aufgestellt hat, schließen eine überwiegende Mehrheit der Betroffenen aus. Samsung bezeichnet das Angebot als ‚Geschenk‘ bzw. einen Akt ‚humanitärer Hilfe‘.

Die südkoreanische NGO SHARPS vertritt die Mehrzahl der Betroffenen im Mediationsprozess. Dr. Jeong-ok Kong von SHARPS kritisiert: „Diese Aktion wirkt wie Ablasshandel! Darauf können wir nicht eingehen. Nur sehr wenige der Betroffenen würden überhaupt Entschädigungszahlungen bekommen. Samsung möchte sich lediglich von seiner Verantwortung für hunderte Opfer freikaufen und weitere Untersuchungen unterbinden.“ Die von NGOs geforderten Untersuchungen in den koreanischen Samsung-Fabriken verweigert das Unternehmen nach wie vor.

In Österreich hat Samsung 2014 eine App für Smart­phones entwickeln lassen. Sie soll u.a. der Krebsforschung dienen. „Diese App ist toll, aber wirkt wie ein PR-Gag von Samsung, wenn sich das Unternehmen auf der anderen Seite der Welt nicht seiner Verantwortung gegenüber an Krebs erkrankten Arbeiterinnen und Arbeitern stellen will!“, kritisiert Andrea Ben Lassoued von der Südwind-Kampagne Clean-IT. In seiner Begründung für die Eurobest 2014 Awards hat Samsung als vorrangiges Ziel angegeben, sich als ein verantwortliches Unternehmen zu positionieren und die Sichtbarkeit seiner Marke in den Kategorien „CSR“ und „Corporate Citizenship“ signifikant verbessern zu wollen.

„Die Wurzel des Übels, nämlich die in der Halbleitererzeugung verwendeten Chemikalien und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter, wird von Samsung konstant ignoriert. Wir erwarten von Samsung, sich endlich nachhaltig für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Produktionskette einzusetzen anstatt mit PR Gags zu glänzen!“, so Ben Lassoued. Die NGOs fordern, dass Samsung seine Fabriken von unabhängigen Institutionen prüfen lässt und vorbeugende Maßnahmen setzt, um weitere Todesfälle und Erkrankungen zu verhindern. Außerdem müssen Betroffene mit anderen schweren Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Folgeerscheinungen wie Unfrucht­barkeit sowie LeiharbeiterInnen bei den Entschädigungszahlungen berücksichtigt werden.

Um diesen Forderungen in Österreich Nachdruck zu verleihen hat die Südwind-Kampagne Clean-IT Samsung für den „Schandfleck des Jahres 2014“, den Schmähpreis für sozial verantwortungslose Unternehmen, nominiert. Bis zum 18. Februar kann der Publikumspreis noch unter www.schandfleck.or.at gewählt werden. Der Publikums- und der Jurypreis für den Schandfleck 2014 werden am 20. Februar 2015, dem Welttag der sozialen Gerechtigkeit, im Rahmen einer Gala im Off-Theater in Wien verliehen.

Weitere Informationen:
Dossiers zu den Nominierungen
„Winds of Change“ Bericht
Electronics Watch
Presseaussendung zu Samsung vom 19.1.2015

Für Rückfragen:
Andrea Ben Lassoued
Kampagne-Leiterin Clean-IT, Südwind
Tel.: 01 405 55 15 320
E-Mail: andrea.benlassoued[at]suedwind.at

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