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SchülerInnen und StudentInnen in der iPhone-Produktion

18. September 2013

Unbezahlte Überstunden und ungerechtfertigte Lohnkürzungen

Erst vor kurzem war Pegatron in der Kritik (Apple’s Unkept Promises: Investigation of Three Pegatron Group Factories). Nun hat die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW) wiederum Missstände aufgedeckt, die untragbar sind. Tausende SchülerInnen und StudentInnen waren diesen Sommer für den Apple-Zulieferer Pegatron in Shanghai in der iPhone-Produktion tätig. Mit 100 von ihnen war CLW in Kontakt. Sie beklagten, dass sie für die täglichen, ca. halbstündigen Versammlungen, denen sie beiwohnen mussten, nicht entlohnt wurden. Weiters mussten sie ungerechtfertigte Lohnkürzungen hinnehmen und viele von ihnen erhielten ohnehin nur 80% des Lohns anderer bei Pegatron Shanghai beschäftigter ArbeiterInnen, obwohl sie dieselbe Arbeit wie andere Pegatron-ArbeiterInnen auch verrichteten. Dies bestätigten die 100 SchülerInnen und StudentInnen gegenüber CLW. Sehr wahrscheinlich ist, dass weit mehr SchülerInnen und StudentInnen von der ungerechten Lohnpolitik des Apple-Zulieferers betroffen sind.

Die SchülerInnen und StudentInnen hatten bei Pegatron Shanghai 12-Stunden-Schichten ebenso wie verpflichtende Überstunden zu verrichten, mussten bei täglichen, verpflichtenden Versammlungen erscheinen, die ebensowenig entlohnt wurden wie die Überstunden – gleich, ob sie von Pegatron Shanghai als ArbeiterInnen oder als PraktikantInnen eingestellt wurden.

Lohnkürzungen erfolgten auf zweierlei Weise:

Erstens wurden die Löhne jener SchülerInnen und StudentInnen gekürzt, die bei Pegatron als ArbeiterInnen beschäftigt waren, so dass sie für acht Tage ihrer zweimonatigen Tätigkeit bei Pegatron Shanghai nicht entlohnt wurden, weil die Dauer ihrer Tätigkeit bei Pegatron, anstatt verpflichtender drei Monate, nur zwei Monate (die Dauer der Sommerferien chinesischer SchülerInnen und StudentInnen und somit für Pegatron keine Überraschung) betrug.

Zweitens erhielten jene SchülerInnen und StudentInnen, die bei Pegatron als PraktikantInnen beschäftigt waren, ohnehin nur 80% des Lohns anderer bei Pegatron Shanghai beschäftigter ArbeiterInnen, obwohl sie dieselbe Arbeit wie andere Pegatron-ArbeiterInnen auch verrichteten. Zudem sahen sie sich gezwungen, Abgaben und Gebühren an Pegatron Shanghai bzw. an die Arbeitsagentur entrichten zu müssen, über die sie vermittelt worden waren. Zumeist stand ihr Praktikum in der iPhone-Produktion bei Pegatron Shanghai in keinerlei Zusammenhang mit ihrem jeweiligen Studienschwerpunkt (wie z.B. Kommunikationswissenschaft), hatten sie sich doch lediglich für die Tätigkeit bei Pegatron Shanghai entschieden, um ihre Familien finanziell ein wenig entlasten zu können.

Jene SchülerInnen und StudentInnen, die nun die Ausbezahlung der ihnen zustehenden Löhne fordern, sehen sich zudem nicht im Stande, genau sagen zu können, in welchem Ausmaß Pegatron Shanghai ihnen Löhne vorenthält, weil sie nie darüber in Kenntnis gesetzt wurden, wie die Lohnberechnung bei dem Apple-Zulieferer erfolgt.

Vor einiger Zeit informierte CLW Apple über die Missstände in der Lohnpolitik seines Zulieferers. In einem Statement behauptete Apple, Pegatron habe einigen SchülerInnen und StudentInnen die ihnen vorenthaltenen Löhne bereits ausbezahlt. Angeblich habe Pegatron auch den Arbeitsagenturen, über die Pegatron SchülerInnen und StudentInnen für „Praktika“ vermittelt werden, verboten, in Zukunft Lohnkürzungen in Form von Abgaben und Gebühren vorzunehmen. CLW bestätigte nun, dass einigen der SchülerInnen und StudentInnen tatsächlich die ihnen entweder nicht oder nicht in voller Höhe ausbezahlten Löhne erstattet wurden. Dies trifft jedoch bei weitem nicht auf alle Betroffenen zu.

Trotz dieses kleinen Erfolges haben weder Apple noch Pegatron bis heute die Verantwortung für die Rückerstattung der Löhne tausender anderer bei Pegatron beschäftigter SchülerInnen und StudentInnen übernommen.

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