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Schweigepflicht zu neuerlichen Selbstmorden bei Apple-Zulieferer Foxconn in China

3. Mai 2013

Österreichische Kampagne Clean-IT berichtet von menschenverachtenden Missständen bei Foxconn

Wien, 03.05.2013 – Wie jetzt zeitverzögert bekannt wurde, haben sich letzte Woche, am 24. und 27. April, zwei junge ArbeiterInnen am Foxconn-Standort in Zhenzhou, in dem auch derzeit Apples iPhone 5 gefertigt wird, vom Dach gestürzt und starben.
„Angeblich mussten die Arbeiterinnen und Arbeiter daraufhin Verträge unterschreiben, in denen sie sich dazu verpflichten mit Medien nicht über die Selbstmorde zu reden“, zeigt sich Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Südwind Kampagne Clean-IT empört.

Laut Informationen lokaler Medien hat Foxconn in dieser Fabrik schon Anfang April den so genannten „Silent Mode“ auf dem Fabriksgelände verhängt. Demzufolge dürfen dort nur mehr Zwiegespräche mit arbeitsrelevanten Inhalten geführt werden. Dritte dürfen nicht mithören, um Gruppenbildung zu verhindern. Gespräche unter mehr als zwei Personen, dürfen nur in speziell gekennzeichneten Bereichen stattfinden. Wer diese strengen Regeln übertritt müsse mit Lohnabzügen oder Kündigung rechnen.
„Die Firma behandelt uns unmenschlich. Nur Maschinen können auf Lautlos-Modus umgestellt werden“ beschreibt ein Arbeiter vor Ort die beklemmende Situation gegenüber einem lokalen Journalisten.
“Gerüchten zufolge soll diese Disziplinierungsmaßnahme mit der Rückgabe von 5 Millionen iPhones 5 durch Apple an Foxconn wegen angeblicher Qualitätsmängel zusammenhängen“, so Ben Lassoued. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die neuerlichen Selbstmorde eine Folge dieser menschenverachtenden Firmenpolitik waren.“

Drei Jahre ist es her, dass eine Selbstmordserie beim Apple-Zulieferer Foxconn, der allein in China eine Million ArbeiterInnen beschäftigt, Empörung über die vorherrschenden Arbeitsbedingungen hervorrief und Apple letztendlich dazu bewog sich für Verbesserungen in den Foxconn-Fabriken auszusprechen.
„Die dramatischen Ereignisse der letzten Wochen beweisen leider, dass die versprochenen Verbesserungen nicht umgesetzt wurden. Viel eher scheint das neue Motto „Verschweigen, verschleiern, vertuschen“ zu sein. Das ist ein Skandal!“ meint Ben Lassoued.

Die Kampagne Clean-IT und ihre Partnerorganisationen in Hong Kong und China kritisieren Apple und Foxconn seit langem wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen: zu geringe Löhne, lange Überstunden, Ausbeutung von StudentInnen und psychische Misshandlungen stehen dabei im Mittelpunkt. Die NGOs fordern von Foxconn und seinen Auftraggebern, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen zu übernehmen und sich für die Rechte der ArbeiterInnen einzusetzen. Clean-IT hat sich zum Ziel gesetzt gemeinsam mit internationalen Partnern bis 2015 eine Monitoringorganisation für die globale Elektronikindustrie zu initiieren.

Hintergrundinfo zum Downloaden:
China Labour Watch-Report 2012 „Beyond Foxconn : Deplorable Working Conditions Characterize Apple’s Entire Supply Chain“

Für Rückfragen und Interviewvereinbarung:
Andrea Ben Lassoued
Leiterin Clean-IT-Kampagne, Südwind
Tel.: 01 405 55 15 320
E-Mail: andrea.benlassoued@suedwind.at
www.suedwind-agentur.at
www.clean-it.at

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