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Apple muss endlich aufhören PraktikantInnen an den Fließbändern seiner Zulieferbetriebe zu beschäftigen!

6. März 2012

Die Arbeitsrechtsorganisation SACOM mit Sitz in Hong Kong fordert Apple auf, so genannte Praktika für SchülerInnen und StudentInnen in den Zulieferbetrieben zu untersagen und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern.

Auf die zahlreichen Arbeitsrechtsverletzungen, die immer wieder in Apple-Zulieferbetrieben aufgedeckt werden, antwortete Tim Cook mehrmals: „Wir kümmern uns um alle Beschäftigten in unserer weltweiten Zulieferkette. Jeder Unfall bestürzt uns und jeder Fall von Arbeitsrechtverletzungen betrifft uns“. Die Realität zeigt aber, dass das nur leere Versprechen sind. Apple versucht sich weißzuwaschen, zuletzt mit dem Beitritt zur Fair Labour Association, die jetzt untersuchen soll, ob und welche Probleme es in den Zulieferbetrieben gibt. Dabei weiß Apple seit Jahren um die Arbeitsrechtsverletzungen Bescheid ohne darauf zu reagieren.
In den letzten zwei Jahren hat Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) eine Reihe von chinesischen Apple-Zulieferern untersucht, unter anderem auch Foxconn-Fabriken. Überall mussten die ArbeiterInnen extrem viel arbeiten, um die Produktionsquoten zu erfüllen.

Viele von ihnen waren 16-18jährige SchülerInnen. Sie sollten eigentlich lernen, doch stattdessen arbeiten sie 10 Stunden am Tag, sechs bis sieben Tage die Woche und müssen sogar Nachtschichten übernehmen, genau so wie ihre erwachsenen KollegInnen.
Viele der von SACOM befragten ArbeiterInnen erzählten, dass sie immer und immer wieder die gleichen Handgriffe machen mussten, sich wie Maschinen fühlten und auch als solche behandelt werden würden. Wer langsamer wird oder Fehler macht, bekommt eine Verwarnung oder wird bestraft. Der Alltag besteht für die meisten einzig und allein aus Arbeit, Essen und Schlafen. Für Unterhaltung oder Sozialleben gibt es weder Geld noch Zeit. Bei manchen ArbeiterInnen führt das zu Depressionen. In den Fabriken arbeiten sie unter gesundheitsgefährden Bedingungen ohne ausreichende Schutzkleidung. Bei Befragungen von Foxconn-Beschäftigten fand das SACOM-Team heraus, dass die wenigsten wussten, mit welchen Chemikalien sie täglich hantierten und schon gar nicht, welche Gefahren davon ausgingen.

Die so genannten Praktika für SchülerInnen und StudentInnen sind nichts weiter, als die Beschaffung billiger Arbeitskräfte, denn sie tragen zur Ausbildung nichts bei. Bei Foxconn fand SACOM „PraktikantInnen“, die Pharmazie, Tourismus und Sprachen studierten. Manche berichteten, dass sie ihren Ausbildungsplatz verlieren könnten, wenn sie sich weigerten bei Foxconn zu arbeiten. Und Apple billigt offenbar diese Art von Zwangsarbeit.
Viele junge ArbeiterInnen hoffen bei Foxconn beruflich weiterzukommen, doch angesichts der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen werden sie schnell enttäuscht. Die Fluktuation in Foxconn-Fabriken ist dementsprechend hoch. Als Gegenstrategie greift Foxconn gerne auf PraktikantInnen zurück – besonders während der Hochsaison in der Produktion.
Es gibt weder eine richtige Gewerkschaft noch andere Kommunikationskanäle über die bei Foxconn Arbeitsrechtverletzungen eingebracht werden können. Ein Arbeiter, der Hüllen für iPhones herstellt, erzählte: “Ich habe noch nie ein iPhone gesehen und schon gar nicht würde ich mir eines leisten können. Ich bin überhaupt nicht stolz darauf hier zu arbeiten. Was ich Tim Cook sagen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte? Dass er aufhören soll die Leute hier auszubeuten!“

Um den ArbeiterInnen eine Stimme zu geben, hat SACOM gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden aus der ganzen Welt einen offenen Brief an Tim Cook geschrieben. Apple hat ohne Zweifel die Möglichkeit die Arbeitsbedingungen bei Foxconn und anderen Zulieferern zu verbessern. Es ist eine Frage der Selbstverpflichtung. SACOM und 96 Universitäten aus 19 Ländern verlangen, dass Apple:

  • aufhört Praktika für SchülerInnen und StudentInnen in den Zulieferbetrieben zu dulden,
  • allen ArbeiterInnen existenzsichernde Löhne bezahlt, die es ihnen ermöglichen nicht auf exzessive Überstunden angewiesen zu sein,
  • sicherstellt, dass es in den Zulieferbetrieben Trainings zu Arbeitsrechten und Sicherheit am Arbeitsplatz für alle Beschäftigten gibt,
  • sich dafür einsetzt, dass es in den Zulieferbetrieben zu einer gewerkschaftlichen, demokratischen Organisierung kommt ,
  • Betroffenen Entschädigungen zahlt, wenn Verstöße gegen den Apple-eigenen Verhaltenskodex aufgedeckt werden.

Obwohl Apple in der Vergangenheit öffentliche Kritik immer wieder beharrlich ignoriert hat, fordert SACOM das Unternehmen auf, auf die oben genannten Forderungen bis 30. März 2012 zu reagieren.

Übersetzte und bearbeitete Presseaussendung, Students and Scholars Against Corporate Misbehaviour, 01.03.2012

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