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Was steckt hinter Apples grünem Image? 36 Umweltschutzorganisationen klären auf

2. Februar 2011

In der Öffentlichkeit versucht Apple bezüglich Umweltschutz und sozialer Verantwortung ein gutes Image zu pflegen. Doch wie sieht sein Engagement in Bezug auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit tatsächlich aus? Dieser Frage gingen 36 chinesische Umweltschutzorganisationen unter Leitung des Instituts für Umwelt- und Öffentlichkeitsarbeit (IPE) in Peking auf den Grund.

Während die Unternehmen BT Group PLC und Hewlett-Packard Co. in einem Ranking noch relativ gut abschneiden, sehe es für Apple anders aus, gibt Ma Jun, Direktor des IPE, bekannt. Apple rangiere von 29 Unternehmen auf dem letzten Platz.

Vorausgegangen war diesem Ergebnis eine 9-monatige Studie des Instituts. Die Studie wurde in sieben verschiedenen chinesischen Zuliefererbetrieben, die für Apple produzieren, durchgeführt. Verschiedene Missstände wurden dabei ans Licht gebracht bzw. bestätigt.

So etwa, dass Apple bei der Transparenz seiner Zuliefererkette Verbesserungen behindert, indem er einige seiner Zulieferer, die keine Rücksicht auf Umweltschutz oder menschenwürdige Arbeitsbedingungen legen, leugnet und in Folge auch keine Verantwortung hinsichtlich der schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen seine Produkte gefertigt werden, übernimmt.

Beispiele dafür sind seine Zulieferer Lianjian Technology und Wintek (siehe Bericht vom 21. Mai 2010). Beide produzieren Flachbildschirme für Apple. Zur Reinigung wurde die giftige Chemikalie N-Hexan eingesetzt, die u.a. Nervenschäden verursacht. Informationen zur Gefährlichkeit der Chemikalie wurden den ArbeiterInnen vor oder bei Arbeitsantritt nicht zur Verfügung gestellt. 47 ArbeiterInnen wurden im Mai letzten Jahres damit vergiftet und ins Krankenhaus gebracht. Einer von ihnen ist Jia Jingchuan. Der 26-jährige begann 2007 für Lianjian zu arbeiten und wurde 2009 mit einer starken Vergiftung ins Krankenhaus gebracht. Der Aufenthalt dauerte neun Monate. 90.000 Yuan (ca. 9.900 Euro) Entschädigung gab es vom Unternehmen. „Die Kompensationszahlung kann unser Leiden nicht wieder gut machen“, so Jingchuan, denn bleibende physische Schäden durch die Vergiftung werden ihn sein Leben lang begleiten.

Ursprünglich dachte Ma Jun, dass Apple ein verantwortliches und vorbildliches Unternehmen sei. Entpuppt hat es sich jedoch als eines derjenigen, die den Verbesserungsprozess für Umwelt und Mensch in der Computerproduktion behindern, wie man im eben erschienenen Report „The Other Side Of Apple“ des Instituts für Umwelt- und Öffentlichkeitsarbeit nachlesen kann.

Auch ein anderer Zulieferer Apples geriet vor allem letztes Jahr aufgrund der vielen Selbstmorde im Unternehmen in die Schlagzeilen: Der weltgrößte Elektronikkonzern Foxconn und iPhone-Zulieferer. Seit Anfang 2010 versuchten 19 junge MitarbeiterInnen des Unternehmens in China Selbstmord zu begehen, indem sie sich aus dem Fenster stürzten, 15 von ihnen starben.

Mit fragwürdigen Vorkehrungen wie dem Spannen eines Auffangnetzes rund um die Wohngebäude oder Verträgen, in denen ArbeiterInnen schriftlich festlegen mussten, dass sie keinen Selbstmord begehen werden, versuchte Foxconn auf die Suizide zu reagieren. Das Unternehmen ist für sein strenges Management und die miserablen Arbeitsbedingungen schon lange bekannt. Trotz allem sagte Steve Jobs, Gründer von Apple, in einem Interview auf der Apple Worldwide Developers Conference 2010, dass Foxconn keineswegs ein Ausbeuterbetrieb sei. (siehe Interview mit Steve Jobs – Thema Foxconn ab 19).

Schon letztes Jahr forderte die Arbeitsrechtsorganisationen Sacom Apple in einem offenen Brief auf, für die ArbeiterInnen in seinen Zuliefererbetrieben Verantwortung zu zeigen und sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Antwort darauf gab es keine.

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