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PA: Mehr Geld aber noch lange kein menschenwürdiges Leben

30. Juni 2010

Die Gehaltserhöhungen beim weltweit größten Elektronikhersteller stellen noch keine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen dar. Zusätzlicher Druck auf Markenfirmen durch öffentlichen Einkauf in Österreich ist erforderlich.
Wien, 30.6.2010 – Am 1.7.2010 erhöht Foxconn den Monatslohn für 450.000 Angestellte auf 1.200 CNY (ca. 145 EUR). „Das ist zwar neun Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn, ein menschenwürdiges Leben ist damit in einer großen chinesischen Stadt wie Shenzhen aber dennoch nicht möglich“, kritisiert Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Clean-IT-Kampagne bei der entwicklungspolitischen Organisation Südwind.

Der weltgrößte Elektronikhersteller, der unter anderem auch iPads, Mobiltelefone für Nokia und Nintendos Wii herstellt, war in letzter Zeit vor allem wegen zahlreicher Selbstmordversuche der ArbeiterInnen in den Medien. Mit dieser Gehaltserhöhung reagiert Foxconn nun auf vehemente Kritik von Arbeitsrechtsorganisationen, die unmenschliche Managementmethoden und überlange Arbeitszeiten anprangerten.

Nicht nur für Foxconn, sondern auch für seinen Hauptkunden Apple entstand durch die Selbstmorde ein großer Imageschaden – vor allem weil sich die Vorfälle kurz vor dem gehypten iPad-Launch ereigneten. Mittlerweile ist die ganze Branche in Bewegung. Auch die Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) sieht sich durch das große Medieninteresse nun im Zugzwang. Der Vorstand der Nachhaltigkeitsinitiative der Elektronikbranche veröffentlichte am 28. Mai 2010 eine Stellungnahme, in der er bekannt gab, dass er über die Todesfälle betrübt sei.
Die acht Mitglieder des EICC-Vorstandes (IBM, Dell, Jabil, STMicroelectronics, Cisco, Intel, Flextronics und HP) haben nun eine Arbeitsgruppe gebildet, die Untersuchungen bei Foxconn ebenso wie in ihren eigenen Fabriken durchführen soll. Gesundheit und Wohlergehen der Arbeiterschaft stehen dabei im Mittelpunkt.

Bereits 2004 haben die großen Markenfirmen wie HP, Dell und IBM, auf die problematischen Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben mit der Verabschiedung des branchenspezifischen Verhaltenskodex EICC reagiert. Dies war zwar ein erster wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Kodex weist jedoch Lücken auf, die unbedingt geschlossen werden sollten: Unzureichende Regelungen in Bezug auf die Arbeitszeit führen zu häufigen Überstunden, Anstellungssicherheit ist durch den Kodex nicht gewährt. Die Zivilgesellschaft wurde außerdem bei der Entwicklung des Kodex nicht einbezogen.

Da die Arbeitsbedingungen durch den schwachen Verhaltenskodex EICC noch nicht ausreichend verbessert wurden, bedarf es eines zusätzlichen Druckmittels. Dieses sieht die Südwind-Kampagne Clean-IT im öffentlichen Einkauf von IT-Hardware. „Öffentliche Einrichtungen wie Universitäten müssen ihre bedeutende Kaufkraft nutzen, um zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Elektronikbranche beizutragen. Durch sozial verantwortlichen Einkauf können sie einen entscheidenden Beitrag zur Armutsminderung leisten“, ist die Leiterin der Clean-IT-Kampagne Ben Lassoued überzeugt.

Deshalb fordert die Südwind-Kampagne Clean-IT mit einer europaweiten Petition Universitäten dazu auf, ihre Marktmacht zu nutzen, um bessere Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Computern einzufordern.
Mehr als 1.000 Unterschriften wurden mit der Online-Petition „Buy IT Fair“ unter clean-it.at/petition schon gesammelt. Universitäten und Fachhochschulen sollen dazu bewegt werden, durch faire öffentliche Beschaffung, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Rückfragehinweis:
Andrea Ben Lassoued, Südwind
Tel.: 0699 170 57 692
E-Mail: andrea.benlassoued@suedwind.at
www.suedwind-agentur.at
www.clean-it.at
Die Südwind-Kampagne Clean-IT ist Teil der europäischen Procure IT Fair-Kampagne und wird von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Die von Clean-IT vertretenen Standpunkte geben die Ansicht von Clean-IT wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Fördergeber dar.

Südwind setzt sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit über 30 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit ein. Durch schulische und außerschulische Bildungsarbeit, die Herausgabe des Südwind-Magazins und anderer Publikationen thematisiert Südwind in Österreich globale Zusammenhänge und ihre Auswirkungen. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, Kampagnen- und Informationsarbeit engagiert sich Südwind für eine gerechtere Welt.

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