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Wissenschafter fordern menschenwürdige Arbeitsstandards bei Foxconn und mehr Transparenz in der globalen IT-Produktion

20. Juni 2010

Die tragische Selbstmordserie der jungen ArbeiterInnen bei Foxconn, dem größten Elektronikhersteller der Welt, in Shenzhen, China, hat die Welt aufhören lassen. Bis jetzt wussten nur wenige Menschen, dass Foxconn die größte Fertigungsanlage für Elektronikgeräte der Welt betreibt.

Die ca. 300.000 ArbeiterInnen produzieren für alle bekannten Markenhersteller der globalen Computerindustrie wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Nokia oder Sony. Da Kontraktfertiger wie Foxconn und seine AbnehmerInnen versuchen die Arbeitsbedingungen und Produktionswege intransparent zu halten, wird dieses System auch als „verdeckte Produktion“ bezeichnet.

Viele ArbeiterInnen in Kontraktfertigungsunternehmen, die bevorzugt in Billiglohnländern wie China, Malaysien, Thailand, Indonesien, Mexiko, Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern produzieren lassen, verdienen nicht einmal den nationalen Mindestlohn. Sie arbeiten zwar in modernen Fabriken, aber die Arbeitsbedingungen erinnern eher an die Anfänge der Massenproduktion. In den globale Kontraktmanufakturen werden oftmals Gewerkschaften marginalisiert und Arbeitsstandards untergraben.  Zudem arbeiten vor allem MigrantInnen aus ländlichen Gebieten, zumeist Frauen, in den Manufakturen.

Aufgrund der tragischen Vorfälle bei Foxconn ruft eine Gruppe chinesischer WissenschafterInnen führender Universitäten des Landes zum kollektiven Protest auf.
Ihrer Meinung nach weist die Krise bei Foxconn auf die tiefgreifenden Probleme des chinesischen Wirtschaftswachstums hin, das auf geringen Löhnen, langen Arbeitszeiten und Diskriminierung der ländlichen ArbeitsmigrantInnen aufbaut. Die Wissenschater fordern die chinesische Regierung und lokale Behörden sowie die betroffenen Unternehmen auf, MigrantInnen als „richtige Angehörige des Unternehmens“ anzuerkennen.

Um Arbeitsstandards, wie berufliche Gesundheit und die Wahrung der Würde der ArbeiterInnen in den Fabriken weltweit durchzusetzen, fordern die WissenschafterInnen alle Beteiligten auf, umfassende Maßnahmen zu ergreifen:

Eine veränderte Arbeitspolitik im Bereich der Kontraktfertigung ist notwendig, um die Beziehungen zwischen Kontraktfertiger und Markenunternehmen transparent und überprüfbar zu machen. Besondere Aufmerksamkeit muss dabei den Arbeits- Gesundheits- und Umweltstandards ebenso wie der demokratischen Partizipation der ArbeiterInnen am Arbeitsplatz zukommen. Die sogenannte „Electronics Industry Citizenship Coalition“( EICC) – ein von IT- Unternehmen eingeführter Verhaltenskodex  – versagte dabei, grundlegende Arbeitsstandards, Umweltgerechtigkeit und sozialen Verantwortung in der gesamten Computerindustrie und Beschaffungskette zu gewährleisten.

ArbeiterInnen müssen folgende Rechte haben:

  • das Recht auf die Bildung von Gewerkschaften, um ihre Interessen und Rechte zu verteidigen
  • das Recht auf Information über und den Schutz vor giftigen Chemikalien in den Fabriken
  • das Recht auf vertretbare Arbeitszeiten, die keine physischen oder psychischen Krankheiten hervorrufen

Gemeinden, Behörden und die Öffentlichkeit haben das Recht zu wissen:

  • wie die Arbeitsbedingungen in den Kontraktunternehmen sind und ob die Rechte der ArbeiterInnen respektiert werden
  • welche giftigen Substanzen in der Fertigung verwendet werden und ob Produktionsprozesse internationalen Standards in Bezug auf Arbeitssicherheit und Gesundheit entsprechen
  • wo, von wem und unter welchen Bedingungen Markenprodukte gefertigt werden
  • welche finanziellen und ökonomischen Bedingungen die Fertigungsverträge zwischen Markenunternehmen und ihren AbnehmerInnen enthalten

Angesichts dieser dringenden Fragen ruft die Wissenschaftergruppe Unternehmen und Behörden in China und in anderen beteiligten Ländern auf, eine unabhängige, internationale Untersuchung zu unterstützen, die  die ökonomischen, sozialen und finanziellen Hintergründe der tragischen Vorfälle bei Foxconn aufklären soll. Die Untersuchung soll von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) koordiniert und mit Beteiligung unabhängiger akademischer Experten, Gewerkschaften, Arbeits- und Umwelt- NGOs und anderen Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, durchgeführt werden.

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