News
Foxconn: Anhaltende Proteste und klare Vorschläge
16. Juni 2010
Überall auf der Welt beteiligten sich Gewerkschaften, KonsumentInnen, ArbeiterInnengruppen, Kampagnen und AkademikerInnen am Protest gegen die lebensbedrohlichen Arbeitsbedingungen bei Foxconn und der unadäquaten Antwort darauf aus der globalen Elektronikindustrie.
Der taiwanesische Elektrokonzern Foxconn hat eine Serie von Selbstmorden in seiner Fertigungsfabrik nahe Shenzhen, China, zu verantworten. Am 7. Juni starb ein bei Foxconn angestellter Arbeiter nachdem er durchgehend 34 Stunden gearbeitet hat.
Das Unternehmen wird für sein Arbeitsregime, die harten Arbeitsbedingungen, Überstunden und seine niedrigen Löhne sowie die undemokratisch gewählten GewerkschafterInnen kritisiert.
Die sich in Hongkong befindende Arbeitsrechtsorganisation Sacom hat mit großem Engagement und viel Bemühung versucht internationale Aufmerksamkeit zu erlangen.
Sacom’s vier Forderungen hier in Kürze zusammengefasst:
- Die Managementmethoden des Unternehmens abklären, um den Druck auf die ArbeiterInnen zu beseitigen.
- Die Möglichkeit bieten, Gewerkschaften durch demokratische Wahlen zu bilden.
- Das Beschaffungsmodell des Konzerns neu überdenken, um das Anpassen der Standards nach unten zu unterbinden.
- Einen menschenwürdigen Lohn, sodass die ArbeiterInnen sich selbst nicht durch Überstunden in Gesundheits- oder Lebensgefahr begeben müssen.
Chinesische Soziologen veröffentlichten einen sehr direkten und klar formulierten Aufruf, der die konsequente Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Sektor der Kontraktfertigung verlangt. Sie schreiben, dass Bemühungen in diesem Bereich dahin angestrengt werden müssen, dass die Beziehung zwischen Kontraktfertigern und Markenunternehmen transparent wird und überprüfbar ist. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Arbeits- Gesundheits- und Umweltstandards ebenso wie die demokratische Partizipation der ArbeiterInnen am Arbeitsplatz. Die „Electronics Industry Citizenship Coalition“( EICC) – ein von IT-Unternehmen eingeführter Verhaltenskodex sowie eine Beratungseinrichtung – versagte bei der Sicherung den grundlegenden Arbeitsstandards, der Umweltgerechtigkeit und sozialen Verantwortung in der gesamten Elektronikindustrie und Beschaffungskette völlig.
Am 1. Juni veröffentlichten Good Electronics und MakeITfair eine Erklärung, in der sie ihre Solidarität mit den ArbeiterInnen ausdrücken und ein verantwortungsvolles Management von Foxconn und seinen Abnehmern fordern. Die Erklärung wurde von einer wachsenden Anzahl an KonsumentInnen, Organisationen und Netzwerken, wie z.b. ProcureITfair, die International Metalworkers’ Federation (IMF), die niederländische Gewerkschaft, das Maquila Solidarity Network, SOMO, Finnwatch, Sweedwatch, die finnische Pro- Fair Trade Bewegung REPU, Suedwind (Österreich), Weed (Deutschland), Brot für die Welt (Schweiz) und GreenIT.fr unterstützt.
Am 8. Juni, an dem Tag, an dem das neue Iphone in San Francisco vorgestellt wurde, gedachten ArbeitsrechtsaktivistInnen weltweit den Selbstmordopfern von Foxconn. Proteste fanden während der Foxconn-Jahreshauptversammlung bei Hon Hai, dem Hauptquartier des Unternehmens statt. Währenddessen protestierten AktivistInnengruppen sowie die Orgnaisation Sacom in Hongkong vor Studio A, einem Apple-Geschäft, das im Besitz des jüngeren Bruders von Terry Gou, dem Gründer von Foxconn, ist.
MakeITfair veröffentlichte am 8. Juni 2010 eine Postkarten- Aktion, die sich an die Hersteller von Mobiltelefonen, wie Vodaphone und T-Mobile richtet: Sie werden aufgefordert, ihren AbnehmerInnen fair und „grün“ produzierte Handys anzubieten. In einer Presseerklärung verweist MakeITfair dabei auch auf die Situation bei Foxconn.
In Berlin verteilten zivilgesellschaftliche Organisationen, wie Germanwatch und Weed weiße Rosen vor dem Elektrogeschäft Saturn.
Unter Druck geraten: Foxconn spricht nun davon, die Löhne der ArbeiterInnen um 70% zu erhöhen. An sich wäre das eine willkommene Veränderung, dennoch ist die Aussage von vielen Unklarheiten begleitet. So soll die Steigerung des Lohnes erst ab 1. Oktober stattfinden. Unklar ist auch, wer sie in Anspruch nehmen kann. Das Traurige an den Lohnerhöhungen ist zudem, dass sie erst als Reaktion auf die Selbstmorde in Betracht gezogen werden. „Während Überstunden immer freiwillig waren, soll diese Lohnerhöhung, aus einer persönlicher Notwendigkeit der ArbeiterInnen heraus, die Überstunden reduzieren“, erklärt Foxconn. Das bedeutet, dass die derzeitigen Löhne kein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Sacom weißt zudem darauf hin, dass ArbeiterInnen in China nicht davor geschützt sind, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie Überstunden verweigern.
Foxconn trat nun in Kontakt mit Sacom. Vorbereitungen für ein erstes Gespräch, welches für nächste Woche angesetzt ist, sind im Gange.
Markenfirmen, die bei Foxconn kaufen, wie etwa Apple, Nokia, Dell, HP, Nintendo und SonyEricsson, geben bekannt, dass sie mit Foxconn in Kontakt und sehr daran interessiert sind, die Selbstmorde bzw. Selbstmordversuche aufzuklären. Genauere Details zu Aufklärungen und Audits wurden nicht öffentlich bekannt gegeben.
Am 8. Juni veröffentlichte Sacom einen Brief an Apple, konkret an Steve Jobs, mit der Forderung nach einer umfangreichen und unabhängigen Überprüfung des Managementsystems von Foxconn. Es soll ermittelt werden, welchen Zusammenhang es zwischen dem System und den Selbstmorden bzw. den Versuchen gibt. Apple soll seine Einkaufspraktiken dahingehend ändern, dass er die ArbeiterInnen in ihren Rechten unterstützt.
Apple hat bisher nicht auf den Brief geantwortet.
Die Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC), die Nachhaltigkeitsinitiative der globalen Elektronikindustrie, möchte eine Arbeitsgruppe entsenden, die sich mit dem physischen und psychischen Wohl der Foxconn-ArbeiterInnen beschäftigt. Ziel ist es, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern die grundlegenden Ursachen für die Probleme festzustellen und zu verändern.
Sacom fordert mit der Unterstützung von Good Electronics eine Reform der Gewerkschaft am Arbeitsplatz durch demokratische Wahlen. Die Organisation fordert zudem die EICC auf, dies zu unterstützen und zielt auch darauf ab, Universitäten und lokale NGOs in den Entwurf eines Trainings- und Wahlplans mit einzubeziehen.
Kommentieren
Drucken Sie diese Seite mit den Tasten Strg+P oder unter Datei/Drucken.








Artikel Feed
