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PA: Wieder Opfer bei Foxconn – diesmal Tod durch Erschöpfung

4. Juni 2010

Die Serie an tragischen Berichten aus China reißt nicht ab: Das letzte Opfer ist Yan Li, ein 27-jähriger Foxconn-Arbeiter der am 27. Mai nach 34 Stunden Arbeit ohne Pause zusammenbrach und starb.

Wien, 04.6.2010. Der Südwind-Kampagne Clean-IT liegen Informationen vor, denen zufolge der Mann seit einem Monat nur Nachtschicht gearbeitet und jeden Tag zusätzlich Überstunden gemacht hat. Yan war seit April 2007 bei Foxconn beschäftigt. Sein Tod ist nun schon der 11. bei Foxconn seit Jänner dieses Jahres.

Der weltgrößte Elektronikhersteller, der unter anderem auch iPads und Markenartikel für Nokia und Sony produziert, war in letzter Zeit vor allem wegen zahlreichen Selbstmordversuchen in den Medien. Für zehn WanderarbeiterInnen endeten diese tödlich.

Trotz steigendem Druck von Seiten der Zivilgesellschaft entzieht sich das Management von Foxconn noch immer seiner Verantwortung. In einer Pressekonferenz am 26. Mai erklärte Terry Gou, Vorstandschef von Foxconn, dass die Selbstmorde ausschließlich auf persönliche Probleme der Opfer zurückzuführen seien. Auch deutete er an, dass MitarbeiterInnen den Freitod gewählt hätten, weil Foxconn die Familien dafür großzügig entschädigen würde. Foxconn beschäftigt allein in Shenzhen 300.000 MitarbeiterInnen und fertigt für Weltkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Nokia oder Sony.

Doch auch Foxconns Kunden nehmen das Unternehmen reflexartig in Schutz: Apple-Chef Steve Jobs verteidigt die dortigen Arbeitsbedingungen und meinte in einem Interview, das Unternehmen sei kein „Sweatshop“.

„Obwohl Foxconn die Hauptverantwortung für die Ausbeutung seiner ArbeiterInnen trägt, müssen globale Markenfirmen wie Apple Verantwortung übernehmen. Schließlich sind sie es, die den Löwenanteil der Gewinnverteilung einstreichen“, kritisiert Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Südwind-Kampagne Clean-IT für faire Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie.

In Reaktion auf die Selbstmordserie kündigte die taiwanesische Muttergesellschaft von Foxconn, Honhai-Precision Industry, letzten Mittwoch an, die Löhne in ihrer Fabrik in Shenzhen um 30 Prozent von 900 auf 1200 CNY (etwa 143 Euro) anzuheben. Dieses Versprechen ist aber lange nicht so großzügig wie es erscheint, denn diese Gehaltserhöhung liegt sogar unter der für Shenzhen in ein paar Wochen erwarteten Anhebung des Mindesteinkommens auf 1400 CNY.

Südwind setzt sich als Teil der europäischen Kampagne Procure IT Fair für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der IT-Branche ein und
unterstützt den Aufruf der chinesischen Arbeitsrechtsorganisation SACOM am 08.
Juni den globalen Tag zur Erinnerung an die Opfer von Foxconn auch in
Österreich zu begehen. Mit einer Online-Petition versucht die
Arbeitsrechtsorganisation SACOM nun Druck auf das Management auszuüben. Unterschreiben auch Sie unter: http://doiop.com/Foxconn_petition

In Österreich läuft derzeit eine Online-Petition von Südwind für faire Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie durch faire öffentliche Beschaffung an Universitäten und Fachhochschulen unter: www.clean-it.at/petition

Rückfragehinweis:

Andrea Ben Lassoued, Südwind
Tel.: 0699 170 57 692
E-Mail: andrea.benlassoued@suedwind.at

www.suedwind-agentur.at

www.clean-it.at

Die Südwind-Kampagne Clean-IT ist Teil der europäischen Procure IT Fair-Kampagne und wird von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Die von Clean-IT vertretenen Standpunkte geben die Ansicht von Clean-IT wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Fördergeber dar.

Südwind setzt sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit über 30 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit ein. Durch schulische und
außerschulische Bildungsarbeit, die Herausgabe des Südwind-Magazins und anderer Publikationen thematisiert Südwind in Österreich globale Zusammenhänge und ihre Auswirkungen. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, Kampagnen-und Informationsarbeit engagiert sich Südwind für eine gerechtere Welt.

1 Kommentar zu „PA: Wieder Opfer bei Foxconn – diesmal Tod durch Erschöpfung“

  1. Irmgard Kirchner sagt:

    das ist ein echt aktuelles Thema, wichtig und gut, dass Ihr das aufgreift.

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