Sie sind hier: clean-IT > News > Ausbeutung unter dem Weihnachtsbaum

News

Ausbeutung unter dem Weihnachtsbaum

15. Dezember 2008

Neue Studie enthüllt Arbeitsrechtsverletzungen bei Zulieferbetrieben von Dell, Fujitsu Siemens Computers und Lenovo.

Das Weihnachtsgeschäft boomt und elektronische Artikel stehen ganz oben auf der Wunschliste der Menschen in Österreich. Die ArbeiterInnen, die diese Produkte in China herstellen, leiden unter menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen, wie eine neue Studie von Clean-IT aufdeckt.

Arbeitszeiten von 11-13 Stunden bestimmen den beschwerlichen Arbeitsalltag. „Ich bin müde und erschöpft“, berichtet ein Arbeiter. „Ich schufte wie eine Maschine, es fällt mir schon schwer mich zu konzentrieren.“, erzählt eine 19-jährige Arbeiterin.

Die Nichtregierungsorganisation Südwind veröffentlicht heute in Österreich die internationale Studie „The Dark Side of Cyberspace“. Die Studie wurde auf Grundlage zahlreicher Interviews mit Beschäftigten von Zulieferbetrieben namhafter Computerunternehmen, von der in Hong Kong arbeitenden Partnerorganisation SACOM erstellt. Sie zeichnet ein düsteres Bild der Arbeitsbedingungen in der Computerproduktion.

In den untersuchten Zulieferbetrieben Compeq Technology (Zulieferer von Dell, Lenovo u.a.) und Excelsior Electronics (Zulieferer von Fujitsu Siemens Computers u.a.) in Südchina kommt es zu massiven Verstößen gegen nationales und internationales Arbeitsrecht. Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Tag beträgt 11-13 Stunden, die ArbeiterInnen brauchen eine Erlaubnis um zur Toilette zu gehen und sind in Schlafräumen untergebracht, in denen ihnen nur eine enge Schlafkoje zur Verfügung steht. Das Kantinenessen ist von schlechter Qualität und oft mit Haaren und Insekten verunreinigt. Die Arbeits- und Schlafräume sind schlecht belüftet und durch unzureichende Schutzkleidung sind die ArbeiterInnen permanent giftigen Chemikalien ausgesetzt. Weder die geringe Entlohnung noch die fehlende soziale Absicherung entsprechen dem chinesischen Arbeitsrecht.

„Die Arbeiter und Arbeiterinnen stehen unter enormen Stress. Grund dafür sind nicht nur erzwungene Überstunden, sondern auch das harsche Fabriksregime. Bei Compeq gibt es sogar Regeln darüber, wie man sich im Unternehmen zu bewegen hat und wie die Haare getragen werden müssen.“, so Charles Ho von SACOM, der heute gemeinsam mit der Arbeitsrechtsaktivistin Jenny Chan in Berlin die aktuelle Studie präsentiert.

Dell, Fujitsu Siemens Computers und Lenovo erhielten die Möglichkeit eine Stellungnahme zu den in der Studie aufgezeigten Arbeitsrechtsverletzungen abzugeben. In der Regel wurde versucht die wirtschaftlichen Beziehungen zu den untersuchten Zulieferbetrieben abzustreiten. Manche Unternehmen haben die Lieferbeziehung bestätigt und Untersuchungen zugesichert. Kein Markenunternehmen hat aber bislang konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation angekündigt.

„So wie Computer konsumieren wir viele Produkte, die in Billiglohnländern unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden. Südwind setzt sich gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Nord und Süd für die Einhaltung der Arbeitsrechte weltweit ein.“ sagt Südwind Pressesprecherin Christina Schröder.

Gemeinsam mit anderen europäischen Nichtregierungsorganisationen startet Südwind daher die Kampagne Clean-IT für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie. „Durch öffentlichen Druck wollen wir die Computermarkenfirmen dazu bewegen, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben zu übernehmen, damit sich nicht nur der Elektronikfachhandel und die Beschenkten, sondern auch die ArbeiterInnen in China über das gute Weihnachtsgeschäft freuen können.“, so Elisabeth Schinzel, Clean-IT Expertin bei Südwind.

Studie „The Dark Side of Cyberspace“

Fotos zum Download

Rückfragehinweis:
Clean-IT. Eine Kampagne von Südwind
Elisabeth Schinzel
Tel.: 0043 (0)1 405 55 15 – 302
E-Mail: elisabeth.schinzel@suedwind at
www.Clean-IT.at

Südwind
Christina Schröder, Pressesprecherin
Tel.: 0043 (0)1 405 55 15 – 301
E-Mail: christina.schroeder@suedwind.at
www.suedwind-agentur.at

Vermittlung von Telefoninterviews mit Jenny Chan und Charles Ho von SACOM:
Sarah Bormann
WEED – Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung, Berlin
Mobil: 0049 160-96654332

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

Seite drucken Für Hilfe klicken

Drucken Sie diese Seite mit den Tasten Strg+P oder unter Datei/Drucken.

Schrift zu klein Für Hilfe klicken

Die Schrift vergrößern Sie durch Strg ++ oder unter Ansicht/Zoom (im IE7 unter Seite) im Browsermenü.

Südwind, gefördert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit. 2015 Europäisches Jahr für Entwicklung

Diese Website wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union betreut. Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht von Clean-IT wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.